Black and white photo of an elderly woman and a young woman sitting together on a couch, smiling at the camera.

Meine Omi & ich

Omis sind die Besten! Vor allem dann, wenn sie dem Leben gegenüber offen sind. Meine Omi war genau das.

Als ich klein war, war ich viel bei ihr - meiner „Königin“. Aber nicht, weil ich musste. Sondern weil ich wollte. Und es gibt da in unserem „Wir“ einen ganz bestimmten Moment, den ich niiiiiie wieder vergessen werd. Da waren wir, beide das Element Wasser fürchtend – ich, weil Angst vor Haien. Und sie, weil unfassbar eitel – in ihrem Schwimmbecken. Und hatten den Spaß unseres Lebens! Weil ich ihr so gern das Tauchen beibringen wollt, sie’s aber einfach nicht über sich gebracht hat, mit dem Kopf unterzutauchen. Und wenn sie dann doch mal für eine Millisekunde der Mut gepackt hat, ist sie – mit offenem Mund, einatmend – abgetaucht. Und hat sich so dermaßen verschluckt, dass sie japsend, rülpsend und lachend wieder aufgetaucht ist.

Meine Königin war lustig, stark, schön, cool, weltoffen, unterstützend, definitiv ein Lausdirndl – und: unfassbar gschaftig (neugierig)! Alles wollt sie wissen. Am besten bis ins kleinste Detail. Sie hat liebend gern potenzielle Kriminalfälle in ihrer Hood aufgedeckt. Auf ihrem „iPag“, wie sie’s immer genannt hat, das Internet erkundet. Und auf der Hochzeit von meinem großen Bruder, da war sie einer der letzten Partygäste. Um knapp 4 Uhr in der Früh. Das Tanzbein schwingend.

Sie hat mir aber auch eines der wertvollsten Geschenke meines Lebens gemacht: Sie hat mich gesehen.Und mich ehrlich und aufrichtig bewundert. Einfach, weil ich war, wer ich war. Bei keiner einzigen Tätowierung hat sie komisch geschaut. Stattdessen hat sie sie ganz genau inspiziert, mit ihren leuchtend blauen Augen. Und diesen Umstand manchmal mit einem flüsternden „interessant“ kommentiert.

Meine Omi hat mich so unfassbar geprägt! Ist einer der wesentlichen Gründe, warum ich heute steh, wo ich steh. Und obwohl sie jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr hier ist, gibt’s keinen einzigen Tag, an dem sie nicht präsent ist. Ich nicht an sie denk!

Das, was sie geschafft hat – dieses präsent bleiben, Menschen anzunehmen, wie sie sind und nachhaltig etwas in ihnen auszulösen – ist für mich der wohl größte Verdienst und gleichzeitig das schönste Geschenk meines Lebens. Denn: Etwas zu hinterlassen hat für viele oft eine eher materielle Bedeutung.

Für mich aber bedeutet es, in Menschen etwas zu entfachen. Sie wirklich und wahrhaftig so zu sehen, wie sie sind – und sie genau dafür zu feiern! So, wie’s meine Omi bei mir gemacht hat. Das ist es, was ich als Freie Traurednerin tu! Und darum ist für mich auch jedes gesprochene und geschriebene Wort nicht kopflos, sondern ganz bewusst gewählt. Weil ich möcht, dass es bleibt. Nachhallt. Auch und vor allem dann, wenn man irgendwann selbst nicht mehr da ist …


Ich bin Freie Rednerin, weil meine Omi die Erste war, die mich wirklich gesehen hat. Dieses Gefühl – gesehen zu werden – ist das Wertvollste, das ein Mensch schenken kann. Und genau das versuch ich in meiner Arbeit weiterzugeben. Jedem Paar. Jeder trauernden Familie. Jedem Menschen, dem ich mit meinen Worten begegnen darf!